Retreat: Meditation im Alltag vom 25. – 30. Mai

Ganz unerwartet erreicht uns Retreatteilnehmer am ersten Abend die Nachricht, dass unsere spirituelle Meisterin Sri Durgamayi Ma erkrankt ist, deshalb nicht körperlich anwesend sein kann im Ashram. Mataji macht uns Mut, die Zeit des Retreat nun dazu zu nutzen, unser Fühlen ganz nach innen zu richten und uns, jeder für sich, auszurichten auf die Meditation im Alltag, über die MA schon oft im Darshan zu uns gesprochen hat.

Jeden neuen Tag des Retreats hoffen wir, dass es Mataji’s Körper besser geht und wir Ihren Darshan empfangen können und am Montag Abend kommt MA – und gibt uns allen Darshan. In der Art und Weise, wie Mataji zu uns spricht wird ganz deutlich, dass es fast allen Schülern in den Tagen des Retreats gelungen ist, sich einzulassen, obwohl alles ganz anders gekommen war als erwartet, das Sein mit MA ist der Höhepunkt des Retreat.


Dies ist der Darshan, den wir auf Mataji’s Wunsch hin am ersten Abend des Retreat gehört haben. Wer sich ein Bild machen möchte, wie ein Retreat in Mataji’s Ashram Brindavon sein kann, hat die Möglichkeit hier MA’s Darshan zu hören und zu lesen.


Die Ebene des Erlebens und Fühlens
Mataji‘s Darshan im Ashram Brindavon, 17. Februar 2012

Ich begrüße euch alle von ganzem Herzen zu diesem heutigen Abend. Ich begrüße euch alle von ganzem Herzen. Und schließt erstmal für einen Moment jetzt eure Augen und setzt euch aufrecht hin, auf dass ihr meinen Gruß erleben könnt. Den kann man nur fühlen. Einen Gruß an euch von ganzem Herzen, aus ganzem Herzen, von mir, dieser Ma. Ihr müsst mir verzeihen, wenn ich schon bei diesem Gruß stehen bleibe, denn schon das ist etwas, das wir Menschen wie verlernt haben. Nicht nur einen Gruß auszusprechen, sondern diesen auch wie aus ganzem Herzen fließend zu erleben – und der Empfangende, der sich diesen Moment nimmt, um eben nicht achtlos wieder darüber hinweg zu gehen, sondern diesen Herzensgruß zu empfangen. Immer wieder höre ich im Rundfunk, im Fernsehen, man kann es lesen, auch bei Gesprächen unter den Menschen, wie schnelllebig unsere Zeit geworden sei. Und wie viele Menschen sich immer wieder dabei erleben, mit dieser Schnelllebigkeit schritthalten zu wollen, auch zu müssen, und dabei natürlich außer Atem geraten. Umso wichtiger erscheint mir meine kleine Botschaft, etwas, was ich meinen Schülern seit vielen Jahren mitzugeben versuche auf ihrem Weg – dieses Innehalten, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Dafür müssen wir uns auf eine wenig benutzte Ebene unseres Bewusstseins begeben, nämlich die Ebene des Erlebens und Fühlens. Einen Herzensgruß fühlt derjenige, der diesen gibt und derjenige, der diesen empfängt. Aber dafür müssen wir Menschen innehalten einen Moment. Und obwohl wir das alle immer wieder, wenn wir es denn einmal versuchen, als letztendlich doch sehr segensreich erleben – zumindest sprechen Menschen so zu mir darüber – weil die Hast, das Außer-Atem-Kommen noch in dem Moment wie abfällt von uns. Schon allein, dass wir in einem solchen Moment des Erlebens ganz automatisch ruhiger atmen, hat ganz sicher eine heilende Wirkung auf unseren Körper, auf unseren Geist, auf unsere Seele. Ich kann mich noch erinnern an ein Spiel aus frühen Kindertagen, wo alle herumrannten und einer rief plötzlich ‚Halt‘, und man blieb in der Bewegung, in der Stellung, in der Haltung innerlich wie äußerlich in diesem Moment einfach stehen. Ich kann mich auch noch an das innere Staunen, sicherlich kindlicher Natur, erinnern, in welcher eigentümlichen Haltung man sich plötzlich befand. Eigentümlich insofern, als man sie eigentlich gar nicht erlebt hatte, so nah und so detailliert auch.

Ich habe dieses Spiel geliebt, weil mit jedem Halt dieses Innehalten verbunden war und heute natürlich noch ist. Und hier jetzt auch jeder bei diesem Innehalten sich selbst einmal sehen kann – die körperliche Haltung, die Haltung des eigenen Geistes, die seelische Haltung. Wie bin ich jetzt in diesem Moment, wie ist mein Körper, wie ist mein Geist? Und tief in uns – wie ist meine Seele in diesem Moment, jetzt? Und so gelangen wir ganz unversehens in eine meditative Haltung, die durch Üben, selbst durch kurzes Innehalten, uns uns selbst begegnen lässt. Diese meditative Haltung, die betrachten lernt das, was ist. Wie ist mein Körper, wie ist mein Geist, tief in uns selbst meine Seele.

Das ist eine Art Königsdisziplin jeder Meditationspraxis, dieser unbeteiligte – und das heißt nicht gleichgültiger – sondern einfach nicht eingreifender, nicht verurteilender oder auch nur beurteilender Zeuge zu werden all dessen, was ist. So wie das jetzt auch möglich ist. Für einen Moment bin ich der Zeuge all dessen, was ist in mir. Das ist das, was ich gelernt habe an der Seite meines Meisters und nach seinem Tod an der Seite meiner Meisterin. Der unbeteiligte Zeuge all dessen, was ist.

Ich danke euch für diese wundervolle Stille, die ihr alle heute Abend möglich gemacht habt. Wenn wir Menschen lernen, zu dieser inneren Stille immer mal wieder und vielleicht dann auch immer öfter, eine Art Zuflucht zu nehmen, lernen wir, unser Leben zu bestimmen und nicht mehr, dass das Leben uns bestimmt.

Namasté
Sri Durgamayi Ma

5 Kommentare

  • Anandamayi - 25. Mai 2017 reply

    Namaste! “ Meditation im Alltag“ : was für ein Übung! Das eine – Meditation – schloss immer das andere – Alltag – aus, bis ich Mataji treffen dürfte. Unsere Meisterin unterrichtet mich, daß es möglich, notwendig, unabdingbar beide zusammen zu lernen. Es ging um ein Haar, daß Mataji dieses Jahr schweigen würde … In tiefste Dankbarkeit, daß Mataji diesen Retreat uns schenkt, ram ram, Anandamayi

  • Prabhavati - 30. Mai 2017 reply

    Während dem Retreat stellte ich mich einigen Themen meiner Vergangenheit, die mir als Schuld und Scham geblieben waren. Und als ich mich fragte, wieso ich dies jetzt aushalten konnte, die tiefe Reue zulassen konnte, fand ich zu der Wahrheit:
    Ich bin geliebt und getragen von meiner Meisterin Sri Durgamayi Ma.
    Prabhavati
    Berliner Schülerin

  • Bhavani - 15. Juni 2017 reply

    „Tief in mir, wie ist meine Seele, wie ist mein Geist, wie ist mein Körper“ Immer wieder habe ich mich das gefragt während des Retreats und war so froh über diese Unterbrechung meines bewusstlosen Alltags. Zum Glück konnte Mataji Darshan geben und dann erst öffnet sich für mich wirklich diese enge Ichwelt, die ich mit Matajis Liebe etwas ruhiger einfach sehen kann.

  • Chandrika - 16. Juni 2017 reply

    Mataji,gab uns in dem Darshan, den sie am Ende des Retreats geben konnte ,ein starkes Bild von einem weißen und schwarzen Wolf,die in jedem einzelnen von uns Leben.
    Es liegt in unserem Bewusstsein, in unserer Achtsamkeit welchen der beiden wir füttern.
    Ich erlebe und fühle diese beiden Kräfte in mir sehr stark.
    Gleichzeitig kann ich im Vertrauen auf meine Meisterin sein,die mich kennt und annimmt so wie ich bin.
    In Vertrauen auf DEINE Liebe
    Jay Guru Mata
    Chandrika

  • Nirmaladevi - 23. Juni 2017 reply

    Während dieses Retreats konnte ich erleben, wie das ist, wenn ich wirklich für ein paar Tage versuche, einfach liebevoll an meine Meisterin zu denken und alles andere beiseite zu lassen. Tiefer Frieden, eine Leichtigkeit im Zusammensein mit meinen Brüdern und Schwestern und großes Glück, Matajis Darshan dann doch empfangen zu können! Reich beschenkt bin ich.
    ** Jai MA! **

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