SatsangBrief - Februar
In dieser Ausgabe des monatlichen SatsangBriefes berichten Chela über das Shivaratri Fest, das Ma mit uns am 14.2. gefeiert hat und den Retreat, den unsere Meisterin Ende des Monats über drei Tage ihren Schülern:innen gegeben hat. Eine Chela schreibt auch darüber, wie sie den Kirtan zum Geburtstag unserer Ma erlebt hat.
Als Ma am Freitagabend in die Kirtanhalle kommt und mit uns in Stille sitzt, erlebe ich das, was uns Ma von ihrer Zeit als Schülerin oft erzählt hat: Für diesen Moment hat sich alles gelohnt. Der unruhige Geist beruhigt sich, die Emotionen ebben ab und es ist wie wenn Mas jahrelange Orientierungen Früchte tragen. Für diese Zeit der Stille gibt es nur Ma und mich und eine Orientierung von Ma kommt mir in den Sinn - mir vorzustellen, dass ein Band zwischen Mas Herz und meinem Herzen ist. Am Samstagnachmittag kommt Ma und singt für uns zu Shiva. Mas Stimme nimmt mich mit in einen Strom der Erfüllung und trägt mich empor in eine stille Ekstase. Am Abend spricht Ma über das Shivabewusstsein, das jenseits von hell und dunkel, von gut und böse in allen Menschen existiert und erinnert uns daran, dass es um die goldene Mitte geht: im Dunkeln sich an das Helle erinnern und im Hellen — wenn alles so ist, wie man es sich vorgestellt hat — an die schweren Zeiten.
Nach der Aarti verteilt Ma Prasad. Ich verneige mich zu Mas Füßen, berühre diese göttlichen Füße, gebe Ma meine Hände, in die Ma ganz sanft das Prasad und eine Blüte legt. Ma schenkt mir einen Blick, der mich bis in mein Innerstes trifft. Tief beschenkt und bewegt gehe ich aus dem Raum und erlebe danach, wie viele tief bewegt aus diesem Raum heraustreten. Welch ein Segen einen Menschen zu treffen, der in diesem göttlichen Bewusstsein lebt und uns zeigt, wie wir dahin gelangen können.
Yamuna
Kirtan zu Shiva zu singen bedeutet für mich oft ein wildes ekstatisches Singen, insbesondere im Sein mit dem Meister. Ich war angestrengt und hatte diese schönen Bilder im Kopf, bemühte mich “gut“ zu singen, mich auszurichten - mich dem Shivabewusstsein im Singen zuzuwenden und kam unter Druck. Ich war dabei zu akzeptieren, dass es gerade so ist, das Gefühl zu haben, nicht mitfließen zu können und beschloss, mich nicht dafür zu verurteilen, sondern einfach da zu sein, so wie ich bin. Und wenn ich Ma nicht als Meister erkennen kann, dann schaue ich einfach, was ich denn sehe. Und ich sah einen Menschen, einen Menschen in Gott, dessen Schülerin ich sein darf. Die Vorsänger stiegen währenddessen in ein solch freudigen Kirtan ein und nun begann Ma den Kirtan mit ihrer Stimme zu leiten - und ich habe gehört, wie Ma durch ihre Stimme lehrt, von dem Ort erzählt an dem Ma lebt, uns mitnimmt auf eine Reise und in jedem Augenblick dieser Reise und immer wieder neu von diesem Ort erzählt, ganz neu, jeden Augenblick wie zum ersten Mal in diesem ewigen Licht in den feinsten und tiefsten, größten, erhabensten, hellsten, freudigsten ewigen Worten beschreibt, das Wunder. Dass Ma existiert, dass Gott existiert. Als riefe Ma uns mit jeder Silbe „Kommt…!“ Und wir antworten mit Sehnsucht, machen uns weit, um mitzufliegen.
Rajani
Das Fest begann sozusagen schon eine Woche vorher mit den Vorbereitungen, die die Vorboten für diese so besondere Nacht des Jahres sind. Ich liebe es, zu Lord Shiva zu singen, und es ist mir zu einem Mantra geworden, was Ma uns während des Übersetzens der Ashtavakra Gita sagte:
Du bist Shiva. Du bist Gewahrsein selbst - nicht weniger. Und ich sage nicht, nicht mehr und nicht weniger, denn mehr gibt es nicht.
Dieses höchste Bewusstsein zu feiern stand bevor und in einem überraschenden Moment bat ich Baba, einmal diesen Schleier zu lüften und mich das sehen zu lassen, was Ma sieht. Dann nahm das Fest seinen Lauf, voller Freude begannen wir schon Freitag zu singen. Als unsere Meisterin am Samstag die Kirtanhalle betrat und mit einer Blumenmala geehrt auf dem Thakat Platz nahm, war ich erfüllt von tiefem Glück. Ma nahm ihre Zimbeln in die Hände, diese kleinen gewölbten Messingschalen. Vielleicht traf in dem Moment ein Licht von den Pujas darauf - genau als ich hinsah, erstrahlte aus dem Inneren eines kleinen Messingtellers ein goldenes Licht, wie ein Feuer; überirdisch hell traf es mich mitten in mein Herz. Für einen kurzen Augenblick blieb die Zeit stehen - und dann begann Ma, die Zimbeln aneinander zu schlagen und stimmte in den Kirtan ein. Erst später erinnerte ich mich daran, dass unsere Meisterin uns vor vielen Jahren schon gesagt hatte, dass wir das Göttliche zunächst nur in etwas Kleinem entdecken können. Und ich erinnerte mich auch an meine Bitte an Baba vor dem Fest. Jai Shiva Shankara Ki Jai
Himalaya
Kirtan an Shivaratri ist meistens sehr lebendig, aber dieses Jahr erschien mir der Kirtan alles zu übertreffen, als würden die Wände wackeln und das Dach sich heben. Wir fingen zuerst ohne Ma an zu singen und als unsere Meisterin kam, war der Gesang kaum zu bändigen. Ma leitete dann den Kirtan und für uns, die schon lange ihre Chela sind, ist das ein Anlass größter Freude, denn Mas Stimme ist das, was viele von uns zu unserer Meisterin geführt hat, womit sie uns und auch mich gerufen hat. Am Samstag nach dem Singen spricht Ma zu uns über die Shivakraft. Ich lasse mich mitnehmen in den Moment, den Ma beschreibt, in dem wir nicht mehr unser Augenmerk auf das haben, was wir fühlen bzw. sehen, sondern nur wahrnehmen, dass wir fühlen oder sehen. “Ich fühle, ich sehe!” Wenn ich dem folge, merke ich, wie ich Abstand bekomme zu dem Objekt des Fühlens oder Sehens, dass ich mich ablösen kann und somit auch ein Stück Identifikation verliere, vom ewigen Urteilen und Werten ablassen kann. Ich erkenne eine neue Bedeutung von dem Auflösen aller Unterschiede, wofür die Shivakraft steht: Es bedeutet nicht, dass alles gleich aussieht oder sich gleich anfühlt, sondern dass mein eigenes Wertesystem keine Gültigkeit mehr hat. Das ist eine Befreiung, die ich zu üben gelobe, indem ich mich an Mas Worte erinnere.
Karishma
Vor dem Fest merkte ich, dass ich doch noch wenige eigene Erlebnisse mit dem Shivabewusstsein in Verbindung bringen kann und ich mir dies aber wünsche. Durch Mas Worte habe ich an diesem Shivaratri Fest einen tieferen Zugang hierzu bekommen. Wie kann ich begreifen, eine Ahnung bekommen davon, was es heißt, die Gegensätze in mir zu überwinden? Ma sprach davon, dass der Mensch ganzheitlich angelegt ist. Und oft habe ich Ma schon davon sprechen hören, wie sie als Schülerin von ihrem Baba die Unterweisung bekam: So viel Wut, so viel Liebe! Und Ma erzählte uns, dass sie da erst eine Vorstellung davon bekam, wie viel Liebe in ihr möglich sein musste - denn wie viel Wut in ihr als junge Frau war, das wusste sie als spirituelle Schülerin. Es hat mich enorm erleichtert, wie klar und einfach Ma uns diese Tatsache noch einmal erläutert hat: Dass zu allem, zu jedem Gefühl, das sich in mir zeigt, sich also auch das genaue Gegenteil in mir befindet, dass es nur in dem Moment nicht manifestiert ist. Nicht dagegen zu kämpfen und mich nicht damit zu identifizieren, es anzunehmen, es zu fühlen - wie einen Moment innehalten und dann mir das genaue Gegenteil davon im gleichen Ausmaß vorzustellen. Und es gilt für dunkle, negative Gefühle und ebenso für helle Gefühle, wenn ich glücklich bin. So kann ich in die „goldene Mitte“ gelangen! Schon wollte ich kurz danach wegen einer kleinen Begebenheit wie gewohnt in Negativität abrutschen, als mir Mas Worte einfielen. Ich habe es einfach ausprobiert, zu verlieren hatte ich nichts. Für diesen Augenblick bekam ich eine Ahnung von der goldenen Mitte und die Dramatik löste sich auf. Dieses neue Denken, das ich von meiner Ma lernen darf, das Ma mir aus ihrer Welt, ihrem vollkommen freien Sein, wie leuchtende Juwelen in mein noch begrenztes Sichtfeld legt - wie oft vergesse ich es! Tauche ich ein und probiere es aus, habe ich jedes Mal das Gefühl, mich aus zähen Fesseln zu lösen und tanze innerlich vor Freude.
Rajani
Zum Shivaratri Fest, das wir in Mas Gegenwart und mit Ma gefeiert haben, ließ Ma allen diese Worte ausrichten:
Dieses wundervolle Fest zu Shiva wird Ma ewig in Erinnerung bleiben.
Der Kirtan, den Ma mit uns gesungen hat, war göttlich - ohne gestern und morgen.
Voller Inbrunst mit Ma zu Lord Shiva zu singen, Ihn mit Kirtan zu ehren, den Verstand und die Gedanken im Singen abgleiten zu lassen - in Mas Gegenwart die Aarti zu Shiva zu feiern, die Shiva Kraft zu ehren und dem inneren Feuer Ausdruck zu verleihen - hat mich der Zeit enthoben.
Ein für mich besonderer Moment war, von Ma das Prasad zu empfangen, beim Pranam ihre Füße zu berühren und beim Empfangen des Prasad meine Hände in ihren.
Ramrani
Zu Beginn des Retreats fühle ich mich unruhig und aufgewühlt. Ein herrlicher Sonnenaufgang im Baba Mandir empfängt mich am ersten Morgen nach dem Aufwachen. Am Ende des Retreats fühle ich mich erfüllt und glücklich diese wenigen Tage in Ma´s Gegenwart erlebt zu haben.
Tag 1: Telefondarshan am Vormittag
Ich höre Ma mit einer liebevollen Stimme sagen: Meine über alles geliebten spirituellen Kinder. Das berührt mein Herz und noch mehr fühle ich mich am Ende des Darshan von Mas Liebe angezogen. Als Ma von einem Bild in ihrem Office spricht und wie ihr Herz erfüllt ist beim Anblick jedes Gesichts ihrer Chela, das ihr Blick streift. Da spüre ich einen leisen Wunsch in mir, lernen zu wollen, auch so zu lieben wie Ma.
Tag 1: Darshan am Abend: Es ist wichtig - sich auf den zu konzentrieren, der sieht.
Es gelingt mir am Abend einfach nicht, alles Alte sein zu lassen, mich ganz auf das Hier und Jetzt einzulassen. Einen neuen Moment zu schaffen. Ganz von vorne anzufangen, so wie Ma es uns vorlebt.
Es wird Vieles gesprochen. Ma macht uns bzw. mir Mut, mich auf den zu fokussieren, der sieht und nicht auf das Gesehene. Immer mal wieder habe ich in den letzten Monaten den letzten Morgendarshan von 2023 (Kapitel 10, Verlangen, Vers 5-8) gehört. Dort fragt Ma, “Wer ist eigentlich der oder die, der bzw. die sieht?”
Tag 2: Darshan am Vormittag - Meditation
Wir sitzen lange mit Ma in Stille. Es ist wirklich sehr still. Mir fällt es bei dieser Meditation schwer, in eine Art Flow zu gelangen. Erst kurz vor Ende kann ich alles sein lassen und eine Ruhe breitet sich in mir aus. Da klingt auch schon der Gong. Ma bleibt noch länger sitzen und die Atmosphäre ist von einer Leichtigkeit erfüllt.
Tag 2: Darshan am Abend - Die Pflicht eines Yogis: Das Licht im eigenen Herzen nicht erlöschen zu lassen.
Im Iran gibt es einen neuen Krieg und Ma macht uns Mut unser eigenes Licht im Herzen zu bewahren. Meine Ohren hören: Wir können die Kriege nicht verhindern, ihnen aber etwas entgegensetzen. Liebe geben. Damit ist gemeint, uns im Alltag zu üben. Denjenigen, über den wir uns im Alltag ärgern, in unserem Herzen zu behalten und sei der Platz auch noch so klein. Liebe zu geben, scheint mir so einfach und gleichzeitig im Alltag so schwierig zu sein. Achtsam zu bleiben, sich nicht vollständig der Wut, dem Ärger hinzugeben und damit den anderen aus seinem Herzen zu verstoßen. Manchmal bekomme ich es erst spät oder später mit, was oder wie es der andere gehört hat und kann dann erst darauf reagieren - mich entschuldigen. Zu lieben - anstatt geliebt werden zu wollen - übt an diesem Tag eine Faszination auf mich aus.
Tag 3: Darshan am Vormittag:
Bei mir bleibt vor allem in Erinnerung, dass sich meine persönliche Wahrnehmung in dem Retreat verändert hat. Während ich mich zu Beginn noch sehr unruhig und aufgewühlt vorfand, fühle ich mich jetzt verbunden, still und in gewisser Hinsicht innerlich aufgeräumt.
Tag 3: Film - Leibnitz- Chronik eines verschollenen Bildes
Am Abend sehen wir in Mas Gegenwart einen Film über den Universalgelehrten Leibniz. Ma lenkt unser Augenmerk auf Kantor, seinen Assistenten. Ich liebe es, einen Film mit Ma zu sehen.
Ich sehe einen Assistenten, der seinem Meister dient. Immer präsent, wenn er gebraucht wird und doch zurückhaltend. Fürsorglich und wohlwollend in seiner Art. Sich keiner Aufgabe zu schade.
Das Retreat ohne Namen neigt sich dem Ende zu, und ich glaube, diese Form bietet uns Chela die Möglichkeit, uns dem Ungewissen mehr zu öffnen und uns allmählich einer zufälligen Begegnung mit Ma hinzugeben.
Ramakrishna
Blicke ich zurück auf den Retreat bleibt insbesondere Mas eindringliche Aufforderung, uns aus der uns Menschen angeborenen Gewohnheit zu lösen, dass wir darauf achten, was unsere Sinne wahrnehmen, zum Beispiel, was wir sehen - und stattdessen in der direkten Begegnung mit unserer Meisterin, uns zu fragen, wer ist es, der sieht. Den Fokus auf die Frage zu richten, wer das überhaupt ist, der sieht. Insbesondere damit zu beginnen, in der direkten Begegnung mit unserer Meisterin, uns zu fragen, wer ist es, der sieht.
Auf Mas Frage hin zum Ende des Retreats, was wir mitnehmen, fand ich für mich, dass ein Achten auf das, was ich sehe, dazu führt, dass ich mich wie nach vorne lehne, zu dem Geschehen hin, und versuche, das Gesehene einzuordnen, Schlüsse daraus zu ziehen oder vielleicht eine Meinung oder ein Handeln daraus ableite. Bei einem Fokus auf die, die sieht, bleibe ich wie zurückgelehnt, aufrecht, in mir selbst ruhend, still. Ma erinnerte uns auch daran, dass wir vor jeder Aarti singen „Mantra Mulam Guror Vakyam - Die Wurzel des Mantra ist des Gurus Wort“. Und so sind auch diese Worte ein Mantra, ausgestattet mit der Kraft des Meisters: „Wer ist die, die sieht?“ Es geht darum, dass ich ihnen vertraue, meiner Beziehung zu meiner Meisterin vertraue. Und es verlangt mir eine Art Anstrengung ab, eine Wachsamkeit, gleichzeitig fühle ich in meinem Herzen eine Verheißung auf das Lösen der alten Fesseln.
Himalaya
Am Samstagmorgen rief Ma im Ashram an und las uns aus dem „Tibetischen Buch vom Leben und Sterben“ das Kapitel „Die Alchemie der Hingabe“ vor. Diese Hingabe, so habe ich es verstanden, hat nichts mit sich aufgeben zu tun, sondern bedeutet die Hingabe an das Leben selbst mit all seinen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten; und Ma betont immer wieder, sich dafür mehr den weiblichen Eigenschaften, wie Vertrauen, Geduld, Vergebung, Mitgefühl, Mut und auch Demut, zu öffnen. In diesem Darshan erwähnte Ma auch, dass wir uns mehr mit dem „Sehenden“ in uns verbinden, weniger mit dem, was man sieht, um so eine Distanz zu schaffen und uns als Zeuge des Gesehenen verstehen.
Am Sonntagmorgen saßen wir mit Ma in Stille und es war für mich erfrischend und erneuernd, da ich zuvor mit etwas Unlust zum Retreat angereist war. Die tiefe Stille in der Meditation gab mir eine Ahnung von der Stille, die uns allen innewohnt, und im Kapitel “Die Stille” der Ashtavakra Gita so schön beschrieben ist.
Im Darshan in kleinen Kreis fragte ich Ma zu ihren Worten für das Kalenderblatt März:
erinnerten wir uns der uns innewohnenden unschuld
wäre es leicht, in ihr zu sein und ihr entsprechend zu handeln
- die unschuld ist die grundsätzliche basis unserer wahren natur
was es denn mit der Erbsünde auf sich hat, die ja eine gewisse Grundlage der katholischen Lehre darstellt. Besonders erhellend war für mich Mas Antwort, dass alle Religionen “menschengemacht” sind, was durch die Einführung der “Ablasszahlung” und das “sich von den Sünden freizukaufen”, ja auch verdeutlicht wird.
Padmini
Den Retreat habe ich als Auszeit von meinem Alltagsbewusstsein erlebt, - dafür bin ich sehr dankbar.
Durch Ma, besonders in der direkten Begegnung mit Ma, erlebe ich eine andere unbeschreibliche Bewusstseinsebene, Mas unbedingte Liebe. Ich habe gelernt, dass ich durch liebevolles Handeln innerlich Ma begegnen kann - auch wenn Ma nicht physisch anwesend ist, z. B. im Alltag. Das ist ein großer Segen.
Meine Angst in der Begegnung mit Ma vor der Unberechenbarkeit des Meisters bleibt wohl, aber gerade die Unsicherheit macht den spirituellen Weg und das Leben auch lebendig.
Im Retreat wurde mir mit Mas Hilfe bewusst, dass ich dazu neige, Mas Worte nach eigenem Gutdünken zu interpretieren, statt sie ernst und wörtlich zu nehmen.
Nataraj
In diesem Retreat berühren mich besonders die Darshan im kleinen Kreis, die wir jeden Tag empfangen dürfen: Es ist ein Sein jenseits von Raum und Zeit, in denen wir Ma alles fragen können und uns nach der Einheit mit dem Göttlichen sehnen. Die Sanftheit und Zärtlichkeit, die aus Ma fließen und jeden ihrer Schüler umhüllt, lassen mich ganz neu erfühlen, dass Ma immer in dieser Liebe ist - nur ich bin es, die dafür so lange Jahre zu wenig empfänglich war, - zu sehr mit meinen Vorstellungen, Wünschen und Bedingungen zu Ma gekommen bin und dadurch zu wenig erleben konnte, wie Ma immer jeden von uns liebt! In einem Darshan erinnert uns Ma an die Worte von Baba:
Verhalte dich einer anderen Person gegenüber so, wie es dir richtig erscheint, aber verstoße sie niemals aus deinem Herzen!
Ma erzählt uns, dass sie sich als Schülerin an diesen Worten orientierte - auch wenn es manchmal nur die Größe eines Stecknadelkopfs war, so fand jeder Mensch in ihrem Herzen Platz. Das zu hören inspiriert mich sehr, auch dahin finden zu wollen, für jeden Menschen einen Platz in meinem Herzen freizumachen.
Yamuna
Behandle einen anderen so, wie du es für richtig hältst, aber verstoße ihn nicht aus deinem Herzen.
Diese Worte von Baba waren für Ma eine tragende Orientierung auf ihrem spirituellen Weg. Ma sprach während des Frühlingsretreats darüber, dass diese Worte bestimmte Verhaltensweisen von vornherein ausschließen. Während ihrer Schülerschaft suchte Ma sich einen ruhigen Ort, um ihr Herz zu erforschen und zu fühlen, ob derjenige, auf den sie wütend war, noch in ihrem Herzen ist. Das inspirierte mich sehr, dies auch einmal auszuprobieren und ich fühlte in mein Herz und war erstaunt und erfreut, wie einfach und wirkungsvoll dies ist. Als ich Ma davon erzählte, sagte Ma, dass diese Übung soo gut ist und dass die Liebe zu spüren ist, sei sie auch nur so groß wie ein Stecknadelkopf.
Draupadi
Ein Guru wird in den heiligen Schriften beschrieben als ein Mensch, der im höchsten Bewusstsein lebt und dadurch in der Lage ist, die Menschen, die das möchten, aus dem Dunkel ihrer Unwissenheit zum Licht zu führen. Eine Form dafür ist das gesprochene Wort, um uns aufzuzeigen, welches Handeln zum Licht führt und welches uns immer nur weiter getrennt, unsicher und unerfüllt sein lässt.
An einer Stelle im Retreat spricht Ma davon, dass für sie als spirituelle Schülerin bei ihrer Meisterin, Ma Jaya Sati Bhagavati, das Wort ihrer Meisterin heilig war. In dem Moment fühle ich, wie sehr es an mir liegt, auch die Worte meiner Meisterin als wirklich heilig zu erleben und damit als überaus machtvolle Möglichkeit, mich dem Licht zuzuwenden. Denn ein weises Wort mag erhebend sein. Doch ein heiliges Wort, so fühle ich in dem Moment, hat die Wirkmacht, mich ganz bestimmt dem höchsten Bewusstsein näher zu bringen.
Nirmaladevi
Der Retreat beginnt mit einem Darshan, den Ma über das Telefon gibt, Ma ruft an und das Telefon ist auf Lautsprecher gestellt. Was nehme ich mit aus diesem langen Darshan? Mas Worte über die „Alchemie der Hingabe“, ein Kapitel aus dem „Tibetischen Buch vom Leben und Sterben“ von Sogyal Rinpoche. Die Hingabe, die es mir ermöglicht, das Unerwartete und Unvorhergesehene in der Begegnung mit meinem Meister anzunehmen, mitzugehen, eigene Vorstellungen zurückzulassen im tiefen Vertrauen, dass die Liebe des Meisters absolut ist und ich mich daher vollkommen hingeben kann. Ich erkenne einen tiefen Wunsch in mir, dies zu erleben. Die Hingabe führt zu einer Alchemie in der Beziehung mit dem Meister, zu einer größeren inneren Nähe, größerer Selbsterkenntnis, einem offenen Herzen. In diesem Zusammenhang spricht Ma auch wieder darüber zu üben, mich auf die zu fokussieren, die sieht und nicht auf das, was ich sehe. Durch die Identifikation mit der Sehenden kann ich eins werden mit dem Gesehenen. Ich übe während der drei Tage, aber immer wieder, nach kurzer Zeit, ertappe ich mich dabei, wie ich abschweife und anstatt mich auf meine Meisterin zu fokussieren, mein Blick auf die Bilder, die Vorhänge und alles Mögliche andere gelenkt wird. Es ist wie bei der Meditation, wenn die Gedanken mich entführen. Ich muss üben in der Gegenwart meiner Meisterin, komme immer wieder zurück zu der, die sieht.
Durch die Nachricht, dass ein Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran ausgebrochen ist, bin ich erschrocken. Ma sieht uns in kleinen Gruppen und wir können über die Ereignisse in der Welt sprechen. Wir haben in all dieser Dunkelheit nur eine Waffe: Die Liebe, von der Baba gesagt hat, sie sei stärker als Elektrizität. Liebe im Alltag, in jeder Situation mit jedwedem Menschen, immer wieder mich daran erinnern, wenn Ungeduld, Ärger oder Irritation mich ergreift, in mein Herz zu gehen und zu atmen. So einfach und doch so schwer, aber ich kann mich an meiner Ma orientieren, die uns bedingungslose Liebe vorlebt.
Karishma
In einem Darshan im Retreat hat Ma mit uns den wunderschönen, sehr sinnlichen Film angesehen: Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes. Ma gab uns an die Hand, unser Augenmerk auf den Assistenten von Leibniz zu richten. Erleben konnte ich, wie hingebungsvoll, voller Freude er, der Assistent, seinem Meister dient, entzündet, glühend von den herausragenden Eigenschaften seines Meisters. Ihm auf eine sehr natürliche, sich selbst zurücknehmende Art dienend, seinen Meister unterstützend und für ihn sprechend. Das hat mich in dem Film berührt, mich als Chela meiner Meisterin inspiriert.
Ramrani
In diesem Retreat hatte Ma vier ihrer weiblichen Chela - so auch mir - die Aufgabe gegeben, die Küche während der gesamten Zeit zu versorgen. So konnten auch zum ersten Mal die sonst hauptverantwortlichen Köche den ganzen Tag beim Retreat sein. Nach einem ersten Jammer - bis dahin hatte ich erfolgreich einen Bogen um die Küche gemacht, um immer beim Darshan mit Ma zu sein - war ich entschlossen, das Beste daraus zu machen.
Die Rezepte für das Prasad waren erprobt und alles gut vorbereitet. Für mich überraschend entfaltete sich zwischen uns vier eine große fürsorgliche Kraft des Miteinander. Es gab keinen Konkurrenzkampf, jede von uns richtete sich innerlich auf ihre Weise aus und so lief alles Hand in Hand.
In einer Unterweisung vor dem Retreat, hatte Ma unsere Anspruchshaltung ans Licht gebracht. Jetzt fühlte es sich für mich so an, als ob innere Mauern zerschlagen und endlich Raum war, für Mas Liebe.
Ma rief uns am Abend zum Darshan - und das Sein mit Ma umfasst für mich alles Leben: Es gab ernste, fröhliche und freudige Begegnungen mit Ma, ich konnte einfach eintauchen in die lichtvolle Weite des Meisters.
Bhavani
Der Tempel in Brindavon ist herrlich geschmückt, besonders das Bild im Hanuman Tempel, das Ma mit dem Stab in der Hand vor dem strömenden Ganges zeigt. Wir feiern die Aarti zu Baba - dem Ursprung der göttlichen Liebe, die aus Ma zu uns strömt. Wie früher sitzen wir dicht gedrängt vor Ma’s Takhat, den Blick zur Kamera gewandt zu all denen, die jetzt zuhören und vielleicht mitsingen. Mit jedem Kirtan löse ich mich ein wenig mehr vom Äußeren, tauche ein ins Fühlen und erinnere mich an Ma’s Worte - das Göttliche, zu dem ich singe, in mir selbst zu suchen. Versuche, die göttliche Mutter in meinem eigenen Herzen wachzurufen. Diese Vorstellung nimmt mich ganz gefangen.
Als ich nach langem Singen kurz die Augen öffne, fällt mein Blick auf einige Gurubhai und ich bin ganz verwundert über ein Gefühl, das mir neu ist - als seien sie meine Kinder - das mich für einen Moment auch aus allem Vergleichen befreit. Ma’s Worte zu einem früheren Durga Puja Fest kommen mir in den Sinn - dass es die mütterlichen Kräfte sein werden, die uns über uns selbst hinauswachsen lassen.
Und welch reiches und süßes Prasad uns Ma, die Göttliche Mutter, für den gemeinsamen Abschluss dieses Festabends gesandt hatte - Jai Ma Durga!
Kamallata
In einem Darshan im kleinen Kreis erinnerte ich mich an die Zeit als mein Vater im Sterben lag. Ma hat mich und meine Mutter damals unfassbar liebevoll begleitet. Die Erinnerung an diese Zeit wurde plötzlich lebendig, die große Nähe, die damit einhergeht. Mit Mas Begleitung wird alles gut. Und zu meiner großen Freude sagte Ma, dass sie sich auch an die Zeit erinnerte. Ich hatte in diesem Moment das Gefühl, dass ich die Dringlichkeit von damals verloren habe. Doch Ma lenkte meinen Blick auf eine ganz andere Sichtweise. So machte sie deutlich, ich könnte ja immer wieder diese Dringlichkeit im Alltag herbeiführen. Und an einem bestimmten Punkt, als ich meiner Gewohnheit entsprechend, tränenverloren vor Ma saß, hörte ich Ma laut rufen, dass ich doch auch die Freude sehen kann, die dieser Begleitung innewohnt. So versuche ich jetzt diese tiefe Erkenntnis in mein Leben zu nehmen. Die Freude an Mas Hand gehen zu dürfen und immer wieder Mas Begleitung erleben zu dürfen.
Chandrika
Im nächsten SatsangBrief berichten wir über das Bhakti Wochenende vom 20.03. bis 22.03. und über das Fest Hanuman Jayanti, bei dem wir in der Gegenwart unserer Meisterin 108 Mal das heilige Mantra, die Hanuman Chalisa, durch die Nacht von Freitag 3.4. auf Samstag 4.4. singen werden. Am Ostersonntag wird das Osterfeuer im Dhuni entzündet und wir sitzen früh morgens zu Füßen unserer Meisterin und tauchen ein in eine heilige Stille am lodernden Feuer; auch hierüber werden wir berichten.